Maßnahmen zur Reduktion der Infektionswahrscheinlichkeit

Um das Infektionsrisiko in Innenräumen zu senken, gilt es, folgende Aspekte der Raumluftqualität zu beachten und entsprechende Maßnahmen umzusetzen:

 
 
CO2-Wert und Luftwechselrate
  • Der CO2-Wert in Innenräumen muss permanent unter 1000 ppm liegen.
  • Liegt der CO2-Wert der Raumluft über 1000 ppm, ist unser Immunsystem geschwächt und anfälliger für Infektionen und sonstige Erkrankungen.
  • Befindet sich ein an Viren erkrankter Mensch im Raum, steigt mit erhöhter CO2-Konzentration auch die Virenlast in der Raumluft.
  • Der CO2-Wert ist durch eine ausreichende Be- und Entlüftung des Raumes unter 1000 ppm zu halten.
  • Es wird ein 3- bis 5-facher Luftwechsel und gleichzeitig eine Luftmenge von mindestens 35 m³/h pro Raumnutzer empfohlen. Es gilt: je höher die Luftwechselrate, desto niedriger das Infektionsrisiko. 
  • Der CO2-Wert kann ohne viel Aufwand mittels eines geeigneten, hochwertigen CO2-Messgeräts leicht ermittelt werden.
 

Luftfeuchtigkeit
  • Die relative Luftfeuchtigkeit in Innenräumen muss (auch in der Heizperiode) zwischen 40 und 60 % liegen.
  • Für eine intakte Immunabwehr ist eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 % bei normaler Raumtemperatur unerlässlich.
  • In der Heizperiode ist eine zusätzliche Befeuchtung in Innenräumen unumgänglich, um eine relative Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 % zu gewährleisten.
  • Die Infektionsgefahr durch in Aerosol befindliche Krankheitserreger steigt bei zu geringer relativer Luftfeuchtigkeit stark an.
  • Die relative Luftfeuchtigkeit lässt sich durch ein hochwertiges Hygrometer schnell und leicht bestimmen.


Fensterlüftung
  • Lüftungsampel verwenden und dann stoßlüften, wenn die Ampel 1000 ppm anzeigt
  • Alternativ zur Lüftungsampel kann das Intervall für eine ausreichende Stoßlüftung durch Messung der CO2-Konzentration gem. den Empfehlungen des ÖFR bestimmt werden. 
  • Beschilderung von Räumen, die ausschließlich über die Fenster belüftet werden können. Damit soll das Einhalten des Intervalls für eine ausreichende Stoßlüftung gewährleistet werden.


RLT-Anlagen (raumlufttechnische Anlagen/Lüftungsanlagen)
  • RLT-Anlagen sind mit 100 % Außenluftanteil zu betreiben. Der Umluftanteil (auch wenn eine Umluftklappe vorhanden sein sollte), ist auf null zu reduzieren.
  • Eine sichere Trennung von Abluft und Zuluft ist besonders beim Wärmerückgewinnungssystem sicherzustellen. Kreislaufverbundsysteme sind hinsichtlich der gesteigerten Anforderungen in Zeiten von Corona für neu zu errichtende Anlagen zu bevorzugen.
  • Der hygienische Betrieb der Lüftungsanlage muss sichergestellt werden. Es dürfen keinerlei Belastungen der Atemwege der Raumnutzer von der Lüftungsanlage ausgehen.
  • Eine hygienetechnische Inspektion der Lüftungsanlage und der Zuluftleitungen ist durch qualifiziertes Betriebspersonal (vorzugsweise VDI 6022 Kat. A zertifiziert) oder von fachkundigen Unternehmen (zwingend durch VDI 6022 Kat. A zertifizierte Person) durchzuführen. Damit soll der hygienische Betrieb evaluiert bzw. sichergestellt werden.
  • Eine Reinigung der Lüftungsanlage (inkl. Luftleitungsnetz) ist durchzuführen, wenn Verunreinigungen in der Lüftungsanlage/in den Luftleitungen ersichtlich sind. 
  • Das mit der Inspektion beauftragte Unternehmen sollte nicht dasselbe sein wie das Reinigungsunternehmen.
  • Von der Einbringung von Desinfektionsmitteln in die Zuluft/Raumluft im Beisein der Raumnutzer wird dringend abgeraten! Schwere Reizungen der Atemwege und Augen können daraus resultieren. Bei permanenter Aufnahme von Desinfektionsmitteln über die Atemwege sind schwere Langzeitschäden der Atemwege und Lungen zu erwarten.
  • Eine Desinfektion der Lüftungsanlage (und Luftleitungen) ist nur bei begründetem Verdacht durchzuführen. Die prophylaktische Desinfektion von Lüftungsanlagen bringt keinen erheblichen Mehrwert mit sich. Lüftungsanlagen (und Luftleitungen) müssen VOR einer Desinfektion gründlich gereinigt werden.
 

Mobile Luftreiniger
  • Luftreiniger mit mechanischer Partikelabscheidung sind zu bevorzugen (HEPA-Filter).
  • Nur HEPA-Filter mit Prüfung gem. EN 1822:2009 wählen
  • Luftreiniger mit chemischem/strahlungstechnischem Wirkungsprinzip (Ionisation, Ozon, UV-C) sind ausschließlich von geschulten und fachkundigen Personen zu bedienen.
  • Es wird empfohlen Luftreiniger einzusetzen, welche die Ausblasung der gereinigten Luft nach oben gerichtet haben, um eine Querverteilung der evtl. virenbelasteten Luft zu vermeiden.
  • Luftreiniger sind KEIN Ersatz für eine Außenluftzufuhr bzw. für eine Lüftungsanlage.
  • Wirkungsversprechen sollten nicht durch den Hersteller selbst, sondern durch eine anerkannte Institution bestätigt werden. Entsprechende wissenschaftliche Studien bzw. Gutachten sollten vorhanden sein.
  • Desinfektionsmittel dürfen unter keinen Umständen im Beisein von Menschen in einem Raum versprüht bzw. vernebelt werden! Gesundheitsgefährdende und/oder juristische Konsequenzen sind ansonsten in Kauf zu nehmen.
 

Luftbefeuchter
  • Luftbefeuchter (mobil oder stationär) sind unerlässlich, wenn es darum geht, eine relative Luftfeuchtigkeit von mindestens 40 % in der Heizperiode zu gewährleisten. 
  • Bei der Wahl des richtigen Gerätes sollte der Hauptfokus auf den hygienischen Betrieb gelegt werden.
  • Von Heizkörper-Verdunstern wird aufgrund der darin stattfindenden Keimbildung im Zuge des Betriebes eindringlich abgeraten.
  • Die hygienetechnisch sicherste Befeuchtungsvariante ist die Befeuchtung mittels Verdampfer, da durch die Erhitzung des Wassers darin evtl. befindliche Keime abgetötet werden.
  • Der Betrieb eines mobilen Luftbefeuchters ist sofort einzustellen, wenn ein Biofilm (schmierige Oberfläche) wahrnehmbar ist.
  • Mobile Luftbefeuchter sind stets in hygienisch einwandfreiem Zustand zu halten. 
  • Bis auf das Befeuchtungsprinzip mittels „Verdampfung“ empfiehlt es sich, einen mobilen Luftbefeuchter zu wählen, der durch zusätzliche Entkeimungsmaßnahmen dafür sorgt, mikrobielles Wachstum zu vermeiden.

7.1. Abschließende Empfehlungen

 
Der Hauptübertragungsweg des Coronavirus ist die Raumluft in geschlossenen Räumen. Achten Sie auf einen gewissenhaften Luftaustausch, um die CO2-Konzentration unter 1000 ppm zu halten. Achten Sie darauf, dass die relative Luftfeuchtigkeit mindestens 40 % beträgt und die Luftbefeuchtungsmaßnahmen keine zusätzlichen Keime in die Raumluft einbringen. Schenken Sie Wirkungsversprechen bzgl. Infektionsprävention durch mobile Luftreiniger keinen blinden Glauben. Mobile Luftreiniger ersetzen nicht das Lüften. Desinfektionsmittel darf nicht im Beisein von Menschen ohne geeignete Schutzausrüstung im Raum versprüht werden.

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Inhalte

Alle Inhalte des Positionspapiers "Raumlufttechnik und Raumluftqualität in Zeiten von Corona" können Sie hier auch online einsehen.

Kapitel 1

Kommentar zur aktuellen Situation

Kapitel 2

Infektionswahrscheinlichkeit vom Faktor „Raumluftqualität“ abhängig

Kapitel 3

Raumlufttechnik im Fokus

Kapitel 4

Fensterlüftung (Lüftungskonzept)

Kapitel 5

Mobile Luftreiniger (Standgeräte)

Kapitel 6

Mobile Luftbefeuchter

Kapitel 7

Maßnahmen zur Reduktion der Infektionswahrscheinlichkeit

Kapitel 8

Quellenangaben
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